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Holzzersetzende Pilze verbessern akustische Materialeigenschaften von Holz
Stradivari-Geigen aus dem achtzehnten Jahrhundert verzaubern Musikkenner weltweit mit ihrem einzigartigen Klang. Eine Theorie vermutet, dass die besonderen Klimabedingungen der «goldenen Ära» Stradivaris (1644 bis 1737) der Grund seien.
Während des so genannten Maunder-Minimums, einer aussergewöhnlichen Kälteperiode von 1645 bis 1715, liessen lange Winter und kühle Sommer die Bäume langsam und gleichmässig wachsen. Holz aus dieser Zeit weist deswegen spezielle Materialeigenschaften auf, unter anderem eine herausragende Klangqualität. Francis Schwarze hat nun gemeinsam mit Martin Schleske, Geigenbaumeister und Physiker in München, erforscht, wie sich mit Hilfe holzzersetzender Pilze ähnliche akustische Materialeigenschaften erzielen lassen.
Die Qualität von Klangholz wird massgeblich durch seine physikalischen Eigenschaften bestimmt. Sehr gut geeignet ist dafür Holz mit geringer Dichte, hoher Schallgeschwindigkeit und hoher Biegesteifigkeit. Ausgewählte Bäume aus den Hochlagen der Südalpen erfüllen diese Kriterien. Vor allem aber das Holz aus der Zeit des Maunder-Minimums hat wegen des langsamen Baumwachstums eine äusserst geringe Dichte und schmale Jahrringe. Exzellente Voraussetzungen für hochwertiges Klangholz.
Das aussergewöhnliche Klima des Maunder-Minimus lässt sich nicht zurückbringen. Die Francis Schwarze hat jedoch einen Alternative entdeckt: Holzzersetzende Pilze. Bauen die Zellwände ab und vermindern dadurch die Holzdichte – eine wichtige Voraussetzung für hohe Klangqualität.
Mit solchen Pilzen lässt sich gezielt hochwertiges Holz – ähnlich dem der Stradivari-Geigen – herstellen. Die wissenschaftlichen Untersuchen zeigen: mehrere der ausgewählten holzzersetzenden Pilzarten verbessern deutlich die Klangqualität des Holzes. Im nächsten Jahr wird die erste Protyp-Geige aus Mykoholz von Martin Schleske angefertigt.
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